11. Dezember 2017

Die Vaterfigur – heutzutage noch wichtig?

Vater und Sohn
Ein Vater ist für die Entwicklung wichtig | © depositphotos.com @ gstockstudio

Die Vaterfigur – ein Relikt aus alten Zeiten oder nach wie vor wichtig für die Kindesentwicklung?

Im Zuge struktureller Veränderungen, denen die Gesellschaft als Ganzes unterliegt, werden auch die Rollen von Vater und Mutter im Zusammenhang mit kindlicher Entwicklung immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Während der Mutter nach wie vor eine natürliche Wichtigkeit in diesem Thema zugesprochen wird, wird den Vätern häufig eine gewisse „Überflüssigkeit“ attestiert. Bei den zahlreichen, häufig recht niederschmetternden Bewertungen lohnt sich der Blick in diverse Fachliteratur, die sich speziell mit der Soziologie von Kindern beschäftigt. Und eben auch mit dem Vorhandensein der Vaterfigur. Was sagen Sozialpädagogen dazu?

Die Präsenz eines Vaters ist für die Kindesentwicklung wichtig

Ein aktuelles „Kita-Handbuch“ hat sich eingehend mit der Frage auseinandergesetzt, wie wichtig ein Vater für die soziale Erziehung eines Kindes ist. Um den Konsens gleich vorweg zu nehmen: Die Sozialpädagogen stellen fest, dass eine Vaterfigur sogar sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes ist – und zwar in jeder Lebensphase des Heranwachsens. Noch interessanter als diese Erkenntnis allein sind die Gründe, die dafür herangezogen werden. Väter sind vor allem in folgenden Entwicklungsphasen wichtig:

  • Im ersten Entwicklungsjahr des Säuglings
  • Im zweiten und dritten Lebensjahr des Kleinkinds
  • Während des Kindergartenalters
  • Während der Schulzeit
  • Während der Pubertät
  • Als junger Erwachsener

Häufig wird behauptet, dass das Kind im ersten Lebensjahr kein Problem damit hätte, auch ohne einen Vater aufzuwachsen. Das ist in der Sache natürlich richtig – und doch ist der Vater für die kindliche Entwicklung bereits in diesem Alter von Bedeutung. Er nimmt aktiv am Geschehen teil (Wickeln, Füttern, Baden) und der Säugling bemerkt den Unterschied zwischen Mamas zarten und Papas kräftigen Händen. Schon jetzt baut sich eine innige Bindung auf.

Während des zweiten und dritten Lebensjahres erfährt das Kind enorm viele Entwicklungen. Als Vater freut man sich mit dem und für das Kind, wenn es diese prägenden Fortschritte macht. In dieser Lebensphase festigt sich die Bindung zwischen dem Kind und den Eltern – ein nahezu unerschütterliches Vertrauensverhältnis baut sich auf.

Während der Kindergartenzeit beginnen Kinder endgültig damit, den Weg in die Eigenständigkeit einzuschlagen. Sie erkennen sich selbst als Persönlichkeit und lernen die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen kennen. Auch benötigen Kinder in diesem Alter die Möglichkeit, eine weitere Ansprechperson für Fragen und Probleme zu haben. Die Mama alleine kann es noch so gut machen – einen Vater aber kann und soll sie nicht ersetzen. Jungen werden in dieser Altersspanne bereits „vorgeprägt“ – sie orientieren sich am Vater, um ihre eigene Geschlechtsidentität zu festigen.

Während der langen Schulzeit brauchen Kinder stets die Möglichkeit, sich mit ihrer Mutter und ihrem Vater vergleichen zu können. Sie erhalten verschiedene Sichtweisen auf bestimmte Themengebiete und lernen dadurch, dass es nicht nur einen Weg gibt, um Gegebenheiten zu beurteilen. Das bedeutet einen enormen Zuwachs an sozialer Kompetenz.

Wenn die Pubertät einsetzt, brauchen sowohl Mädchen als auch Jungen möglichst Mutter und Vater in ihrer direkten Umgebung. Mädchen versuchen in dieser Zeit, ihre Wirkung auf Männer auszuprobieren – häufig an ihren Vätern (weil sie wissen, dass sie sich ihnen annähern können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen). Dabei geht es nicht um sexuelle Annäherungen – das sei an diesem Punkt explizit klargestellt. Jungs orientieren sich in dieser Phase besonders stark an ihren Vätern (auch wenn sie das nicht zeigen) und brauchen eine männliche Anlaufstelle für Gespräche, die sich um das Thema „Männlichkeit“ drehen.

Nicht die Quantität, sondern die Qualität ist entscheidend

Im klassischen Familienmodell (Mutter, Vater, Kind) ist es häufig so, dass der Vater vielen äußeren Zwängen unterworfen ist und dementsprechend weniger Zeit mit dem Kind verbringt als die Mutter. Dennoch spielt der Vater eine wichtige Rolle – er muss die Zeit, die er für seine Kinder übrig hat, qualitativ füllen. Ein Vater, der sich täglich eine Stunde Zeit nur für seine Kinder nimmt und ihnen die volle Aufmerksamkeit schenkt ist für die kindliche Entwicklung viel mehr wert als ein Vater, der zwar den ganzen Tag zuhause ist, seine Zeit aber permanent für andere Dinge nutzt.

 

 

 

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